Fischereirechte als Gefahr für den Brexit

Bringt Fisch einen geregelten Brexit zu Fall?

Reden wir wieder mal über den Brexit. Das kommende Treffen der WU Staats- und Regierungschefs wird weisen, ob ein geregelter Brexit überhaupt noch möglich ist. Während Wirtschaftswissenschafter vor einem ungeregelten Brexit warnen und sowohl den Briten als auch den restlichen EU Staaten erklären, dass es dabei nur Verlierer geben wird, droht ein Fischereistreit im Ärmelkanal. Britische und französische Fischer streiten sich um Fischgründe zwischen der Südküste Englands und der Normandie. Angeblich auch handgreiflich, französische Fischer sollen britische mit Steinen beworfen haben und ihre Boote gerammt haben. Wen wundert´s da, dass der französische Präsident Macron schon am Anfang der Verhandlungen über eine Handelsabkommen zwischen der EU und Großbritannien schon einen  massiven Pflock eingeschlagen hat: französische Fischer müssen auch nach 2021 das Recht haben, in den britischen Gewässern zu fischen. Du er hält an dieser Bedingung eisern fest, auch wenn das möglicherweise die gesamten Verhandlungen zum Scheitern bringt. 18000 Menschen sind in der gesamten EU in der Fischerei beschäftigt. Und der Anteil der Fischerei am BIP (britisches Bruttoinlandsprodukt) beträgt grade mal 0,04 Prozent. Aber so wenig Fischer es sein mögen, die Küstenregionen im Süden Englands und im Norden Frankreichs leben von der Fischerei. Und sind sowohl für Boris Johnson als auch für Emanuel Macron wichtige Wähler, die englischen  haben übrigens überwiegend für den Brexit votiert, meinend, dass die Fischgewässer dann wieder ihnen alleine gehören und die Franzosen, Dänen, Iren, Niederländer dann dort nichts mehr zu suchen haben würden. Jetzt gehören nur 45 % der Fangquoten den Briten, 55% davon im Wert von ca. 175 Millionen Euro sind an ausländische Fischer ergeben. 

Ein kleiner Punkt in einem großen Brexit Vertragswerk, aber wie die Geschichte zeigt, sind es oft die kleinen Punkte, die Großes scheitern lassen. Und so waren genau diese Fischereirechte schon beim EU Beitritt Großbritanniens 1973 ein Streitpunkt.

Wenn man die Wirtschaft und die wirtschaftlichen Negativfolgen des Brexit einfach außer Acht lässt und ausgiebigst über Fischerei diskutiert, sagt das wohl auch schon etwas über die handelnden Personen aus. (Ich erinnere hier an Gibraltar, wo es auch jahrelangen Streit gibt zwischen Großbritannien und Spanien um die fischreichen Gewässer vor der Iberischen Halbinsel.) Sind es Ausflüchte? Ist es ein Kräftemessen zwischen einem Premierminister und einem Präsidenten? Wird hier etwas vorgeschoben, um Anderes nicht besprechen zu müssen? Ist es sorgsam oder fahrlässig? Natürlich muss auch die Existenzgrundlage der Fischer gesichert werden, doch ohne Rücksicht auf Verluste und auf Kosten eines ungeregelten Brexit? Gibt sich Boris Johnson tatsächlich der Illusion hin, dass alles egal ist weil ein neuer Freihandel mit Dritten wie USA oder Asien den Wegfall des EU Binnenmarkts ausgleichen kann? Ich hoffe ja immer noch auf einen geregelten Brexit, aber die Vorzeichen werden immer schlechter. Spannend, wie es nach dem 15. weitergehen wird, und ob bis Ende Oktober ein Kompromiss erarbeitet werden kann. Der Brexit darf nicht an Fisch scheitern. 

 

https://www.vrt.be/vrtnws/de/2020/10/12/brexit-und-der-fischereistreit-flandern-fuehrt-ein-privileg-von/

 

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